Bürgersprechstunde Der Unterkobener Märchenverein “” las zum ersten mal vor versammelter Menge ein alt überbrachtes Märchen aus Unterkoben vor.
Mottenbomber Klaus – ein fantastisches Märchen
Peng, ratatatat, tschpfffff… boom! Die Maschinengewehrsalven und das Kanonenfeuer waren allgegenwärtig, überall donnerte es von den Handgranaten und den Tellerminen im Boden. Mitten im Gefechtsgetümmel stand er, Klaus! Klaus die gefährliche Hausstaubmilbe. Klaus war als Kommandant der 3. Einheit im Kopfkissengebirge der Familie Friedrich stationiert. Ihm beistehend waren über zehntausend kampferprobte Milben-Soldaten und Mottenbomber. Sie alle hatten schon viel vom Bett gesehen und dieser Einsatz sollte ihr letzter sein. Wenn da nicht das Schicksal, in Form der reinlichen Frau Friedrich, dazwischen gefunkt hätte.
Schon Jahre tobte der Kampf im Faltengebirge, eine wahre Kissenschlacht, blutig und brutal. Der Sieg stand nahe, doch niemand hatte die Rechnung mit Frau Friedrich gemacht. Denn eines schönen Tages steckte sie das Kissen und dessen gesamtes Umland in die Waschmaschine. Viele ehrenwerte Milben und Motten kamen dabei ums Leben aber eine kleine Gruppe konnte sich dem Heißwaschgang entziehen, mit ihnen auch Feldmarschall Klaus. Sie entkamen auf zwei Mottenbombern in eine feuchte Ecke des Waschkellers, wo ihre gefährliche Reise durch das Mehrfamilienhaus erst beginnen sollte. Nie zuvor war eine Milbe weiter weg!
Als Klaus gelandet war zählte er erst einmal durch. Detlef? “Hier, ich bin hier drüben.” rief er erleichtert, endlich auf dem Boden angekommen zu sein. “Wo sind all die anderen?” fragte Detlef mit noch zittriger Stimme aber Klaus antwortete nicht, er zeigte nur auf das rotierende Wasser im Trommelfenster der Waschmaschine.
Klaus und Detlef beschlossen den zwei Motten die Freiheit zu schenken. So waren sie nun ganz allein in der dunklen und feuchten Ecke des Waschkellers. Aber Klaus wäre nicht oberster Milben Feldmarschall und Kapitän der Mottenbomber geworden, wenn er immer so leicht aufgeben hätte. Er hatte einen Plan, den er schon am nächste Tag in die Tat umsetzen wollte. Mit Detlef an seiner Seite würden die Beiden sich ein neues Kissen suchen. Vielleicht schon beim Herren Schneidereit im Erdgeschoß? Detlef und Klaus philosophierten an einem Lagerfeuer aus zusammengetragenen Fusseln über den Plan und schliefen bald ein.
Am nächsten Morgen wurde Detlef durch hell einscheinende Lichtstrahlen, die durch das Kellerfenster leuchteten, geweckt. Gerade wollte er Klaus wecken, doch Klaus war verschwunden – weg, finite. Detlef konnte ja nicht ahnen das Klaus in der Nacht auf Toilette musste und sich im Waschkeller verlief. Detlef rief 6 Stunden lang Klaus Namen, in die Weiten des hallenden Waschkellers aber Klaus blieb verschwunden. So machte sich Detlef allein auf den beschwerlichen Weg.
Nach einem anstrengenden 8 Stunden Marsch war Detlef nun zwei Meter weiter links im Waschkeller angekommen und konnte schon den Ausgang sehen als ein dahergelaufene Katze ihn zertrat.
Und wenn er nicht gestorben ist, irrt Klaus noch heute durch den Waschkeller.
FIN
